Das Dirndl auf Reisen: Augenblicke in Kolumbien

Mehr als ein halbes Jahr nannte ich das doch sehr verrufene Kolumbien meine Heimat. Die Entscheidung, während meines Studiums noch einmal für einige Monate ins Ausland zu gehen, fiel mir zunächst recht leicht. Auch mein Wunschland stand mit Kolumbien schon länger fest.

kolumbien-6Warum aber zieht es mich ausgerechnet in ein Land, das noch vor 20 Jahren zu den gefährlichsten in Lateinamerika zählte? Wieso so weit weg und wieso eigentlich in eine Stadt wie Bogotá? Ich will ehrlich sein: Ich kann es nicht sagen. Und dennoch weiß ich auch genau, was mich dorthin gezogen hat.

Gastfreundlichkeit – mi casa es tu casa
kolumbien-8Es gibt eigentlich nur eine Möglichkeit einer Kultur näher zu kommen und von ihr zu lernen: gemeinsam mit den Menschen zu leben, ihren Alltag mit ihnen bestreiten und gemeinsam zu essen.

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Mit Mitte Zwanzig erntete ich auch einige schräge Blicke, als ich sagte, dass ich unbedingt bei einer kolumbianischen Familie leben möchte. Mehr als nur bei ihnen zu leben, ich wollte mit ihnen leben. Und wenn möglich mit einer Familie, die Zeit hat für mich hat. Eintauchen, willkommen geheißen werden, jemanden zum Reden haben.

kolumbien-11Als ich dann Anfang Jänner an die weiße Haustüre in Bogotá klopfte, klopfte mein Herz mindestens genauso laut. Eine ältere Dame öffnete die Türe. In ihren Augen lag ein Strahlen, das sich kaum beschreiben lässt. Noch bevor ich mich vorstellen konnte, nahm sie mich in den Arm und sagte: “Bienvenida en tu nueva casa” – Willkommen in deinem neuen Zuhause. Und genau das wurde dieses Haus für mich – ein neues Zuhause. Meine Gastomi Maria Teresa wurde in den nächsten Monaten zu meiner besten Freundin und Ratgeberin. Sie erzählte mir immer wieder vom Wandel, den Kolumbien durchlaufen hat und wie Korruption das Land teilweise noch immer fest im Griff hält. Wie es damals nicht sicher genug war, auch nur um den Häuserblock zu gehen und wie sehr sie heute die Spaziergänge zum Markt schätzt.

kolumbien-5Aber nicht nur meine Omi hat mir ein Kolumbien gezeigt, das in den Medien kaum gezeigt wird, sondern auch Studienkollegen oder komplett Fremde. Kolumbien ist für mich ein Land der Gastfreundschaft. Ein Land, das aus seinem Schatten erstanden ist.

Kolumbien ist Meer
Die Liste der möglichen Partneruniversitäten war lang. Für mich kristallisierten sich jedoch schnell Favoriten heraus. Es sollte ein Land sein, das Zugang zum Meer hat, es sollte in meiner adoptierten Heimatstadt nicht zu heiß oder zu kalt sein, die Lebenshaltungskosten sollten möglichst niedrig sein. Die kaum überschaubare Liste schrumpfte somit auf ein paar wenige Länder. Und insgeheim wusste ich eigentlich von Anfang an, dass Kolumbien mit seiner Kombination aus Karibik und Pazifik und meinem Taucherherz wie füreinander geschaffen waren.

kolumbien-San Andres-12Mehreren Reisen zu den Inseln San Andrés und Providencia sowie zur Küstenstadt Cartagena konnte ich einfach nicht widerstehen. Die Gelassenheit, der Abstand vom strikten 9 bis 5 Alltag, die warme Luft und die wunderschönen Korallenriffe lassen mich noch heute davon träumen.

Kaffeezone – Kolonialstädte – Amazonas
Kolumbien-KaffeezoneDass ich nicht zu den großen Städteliebhabern zähle, aber dennoch Bogotá zum Leben für die wenigen Monate ganz praktisch war, steht für mich in keinem Widerspruch. Es birgt auch einige Vorteile, den größten Flughafen des Landes in Sprungweite zu haben und somit der Stadt, seiner Hektik und dem nicht enden wollenden täglichen Verkehrschaos entfliehen zu können. Und dadurch ein anderes, rurales Kolumbien kennen zu lernen. Und tatsächlich verbrachte ich auch von allen Wochenenden nur zwei in der Hauptstadt selbst.

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viktoria-urbanek-dirndl-wanderlustDas Dirndl auf Reisen

Viktoria Urbanek ist eine leidenschaftliche Reisebloggerin aus Linz mit einer Mission: die Welt erkunden! Sie erzählt auf ihrem Reiseblog Chronic Wanderlust seit 2013 Geschichten über Reisen im Dirndl, sie gibt Reisetipps und teilt ihre Leidenschaft mit den anderen.